IT-Systeme · Praxisleitfaden

Microsoft Dynamics 365 Business Central validieren: GxP-Prüffelder

Welche Charge darf verwendet werden, wer darf ihre Daten ändern und was bleibt nach einem Update nachvollziehbar? Für den GxP-Einsatz von Microsoft Dynamics 365 Business Central müssen Ihre konkreten Abläufe diese Fragen beantworten. Dieser Leitfaden verbindet dokumentierte Produktfunktionen mit Prüffragen zu Artikelverfolgung, Benutzerrechten, Erweiterungen und Datenübergaben. Er hilft Systemverantwortlichen, IT und QA, den Nachweisumfang für ihre Installation festzulegen.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste vorab

Wie wird Business Central im GxP-Umfeld validiert?

Sie weisen anhand festgelegter Anforderungen und Prüfungen nach, dass Ihre eingerichtete Business-Central-Lösung für den vorgesehenen GxP-Einsatz geeignet ist. Betrachtet werden die verwendete Version, Betriebsform, Konfiguration, Erweiterungen, Benutzerrechte und Schnittstellen. Herstellerunterlagen liefern Produktwissen. Die Bewertung Ihres konkreten Ablaufs und seiner Risiken bestimmt, welche ergänzenden Nachweise Sie benötigen.

  • Der relevante Geschäftsprozess bestimmt den Validierungsumfang.
  • Artikelverfolgung, Genehmigung und Change Log erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
  • Partnerpakete und Marketplace-Prüfungen brauchen eine Bewertung für Ihren Einsatz.
  • App-Versionen, Migration und Online-Updates gehören in die Planung.

Welche Nutzung von Business Central ist GxP-relevant?

Beginnen Sie mit den Entscheidungen, die Ihr Unternehmen auf Business-Central-Daten stützt. Ein steuerlicher Buchungssatz und die Auswahl einer Rohstoffcharge für die Herstellung haben unterschiedliche Bedeutung. Beschreiben Sie je Prozess die Daten, den Verantwortlichen und die Folgen einer falschen Verarbeitung. Berücksichtigen Sie dabei auch gemeinsam genutzte Stammdaten.

Annex 11 adressiert computergestützte Systeme in GMP-regulierten Tätigkeiten. Dieser Artikel betrachtet diesen Bezug für Humanarzneimittel; andere GxP-Bereiche brauchen eine eigene Zuordnung. Das EU-Verzeichnis führt am Recherchetag weiterhin Annex 11 mit Revision Januar 2011. Part 11 wird anhand einschlägiger FDA-Aufzeichnungspflichten und tatsächlich verwendeter elektronischer Records eingeordnet. Ein Microsoft-Produktname begründet diese Anwendbarkeit nicht.

Quellen: [17] [16] [18] [19]

Betriebsform, Funktionsumfang und Systemgrenze festhalten

Microsoft beschreibt Business Central online in der Microsoft-Cloud sowie On-Premises-Bereitstellungen. Zusätzlich beeinflussen Lizenz und eingestellte Experience den Funktionsumfang. Die Premium-Experience umfasst unter anderem Fertigung und Service Management. Microsoft weist darauf hin, dass die allgemeine Benutzerhilfe vom Premium-Umfang ausgeht. Eine beschriebene Funktion muss daher im eigenen System geprüft werden.

Halten Sie den tatsächlich eingesetzten Stand fest: Umgebung, Mandanten, Anwendungsversion, Lokalisierung, Experience und installierte Apps. Ergänzen Sie Lagertechnik, Identitätsverwaltung und angebundene Systeme. Bei einem Partnerhosting klären Sie die konkrete Architektur und Betriebsverantwortung. „In der Cloud“ ist dafür zu ungenau.

Beispiel für die Bestandsaufnahme vor der Testplanung
AngabePrüffrage
BetriebsformBusiness Central online oder eine betriebene On-Premises-Installation?
FunktionsumfangWelche Experience, Lizenzen und Apps unterstützen den vorgesehenen Ablauf?
SystemstandWelche Versionen und Konfigurationen stehen in Test und Produktion?
VerantwortungWer liefert Betriebs-, Partner- und Prozessnachweise?

Quellen: [2] [1]

Chargen und Rückverfolgung entlang der Buchungen prüfen

Business Central steuert Artikelverfolgung über zugewiesene Artikelverfolgungscodes. Für eine durchgängige Chargenzuordnung beschreibt Microsoft „Lot Specific Tracking“; für Lageraktivitäten kommen eigene Einstellungen hinzu. Verfallsdaten besitzen ebenfalls separate Regeln. Prüfen Sie deshalb die eingerichtete Kombination und den tatsächlichen Buchungsweg, einschließlich Scanner oder Partner-App.

Die Seite Item Tracing verfolgt gebuchte Transaktionen vorwärts und rückwärts. Microsoft nennt eine wichtige Grenze: Sie zeigt zugeordnete Transaktionen; bei mehreren Eingängen derselben Charge können weitere Transaktionen fehlen. Find Entries ergänzt die Suche um Vorkommen der Chargennummer, einschließlich offener Datensätze. Eine einzelne Rückverfolgungsansicht sollte deshalb nicht ungeprüft als Vollständigkeitsnachweis dienen.

Als Testfolge eignen sich Wareneingang, Teilverbrauch, Umlagerung, Auslieferung und Rücknahme. Gleichen Sie Mengen und Belegbezüge über die gesamte Folge ab. Nehmen Sie doppelte Chargenkennungen bei unterschiedlichen Artikeln und mehrere Eingänge derselben Lieferantencharge als bewusst vorbereitete Grenzfälle auf.

Quellen: [3] [4]

Illustratives Beispiel: Rohstoffcharge vom Eingang bis zur Verwendung

Angenommen, ein Betrieb verwaltet eine Rohstoffcharge in Business Central und erhält die Qualitätsentscheidung aus einem angeschlossenen System. Die Anforderung lautet: Für einen definierten Fertigungsschritt darf nur verwendbares Material ausgewählt werden. Dies ist ein selbst entwickeltes Testbeispiel. Ob die Sperrlogik durch Standardkonfiguration, Partner-App oder Schnittstelle entsteht, bleibt im jeweiligen Projekt zu klären.

Bereiten Sie vergleichbare Chargen mit unterschiedlichen fachlichen Zuständen vor. Führen Sie dieselbe Aktion als vorgesehener Lager- oder Produktionsbenutzer aus. Legen Sie das erwartete Ergebnis vor dem Test fest. Erfassen Sie Systemstand, Benutzer, Ausgangsdaten, Aktion und beobachtetes Ergebnis. Eine abweichende Reaktion wird bewertet; das Akzeptanzkriterium wird nicht nachträglich passend gemacht.

Eigene Testideen; keine zugesicherten Standardfunktionen
TestfallZu prüfendes Ergebnis
Verwendbare ChargeErlaubter Ablauf verarbeitet die richtige Charge und Menge.
Gesperrte ChargeDer definierte unzulässige Vorgang wird verhindert.
Übertragung unterbrochenFehlender Status führt zur vereinbarten sicheren Behandlung.
Rücknahme einer TeilmengeMenge und ursprünglicher Chargenbezug bleiben nachvollziehbar.

Wirksame Rechte prüfen, nicht nur Rollennamen

Der Zugriff ergibt sich aus Lizenzgrenzen und zugewiesenen Berechtigungen. Die Übersicht Effective Permissions zeigt, welche Rechte tatsächlich wirken und aus welchen Zuweisungen sie stammen. Berechtigungssätze können zudem auf einzelne Mandanten begrenzt sein. Für die Prüfung zählen daher reale Benutzerkonstellationen.

Erstellen Sie eine Rollenmatrix für kritische Aktionen: Verfallsdatum ändern, Chargenstatus setzen, Genehmigung einrichten, Protokollierung verändern oder Daten exportieren. Testen Sie erlaubte und unerlaubte Aktionen mit geeigneten Testkonten. Ein erfolgreicher Test als SUPER-Benutzer beantwortet die Rechtefrage des Lagerpersonals nicht. Technische Schnittstellenkonten und Partnerzugriffe benötigen ebenfalls einen benannten Zweck und eine geregelte Verwaltung.

Quellen: [5] [9]

Change Log und fachlichen Audit Trail auseinanderhalten

Das Change Log protokolliert direkte Datenänderungen an ausgewählten Tabellen und Feldern. Es muss passend eingerichtet sein. Microsoft nennt eine Unterbrechung während Versionsupgrades und die Möglichkeit, Einträge durch Aufbewahrungsregeln zu bereinigen. Daraus folgt keine pauschale, lückenlose Historie aller GxP-Vorgänge.

Betrachten Sie stattdessen einen konkreten Record, etwa die Korrektur eines Verfallsdatums. Welche Werte, Person, Zeit und Begründung benötigen Sie? Wo werden diese Informationen zusammengeführt, geschützt, gelesen und geprüft? Untersuchen Sie Änderungen durch Benutzer, Schnittstellen und Erweiterungen separat. Ein technisch vorhandener Logeintrag beantwortet noch nicht jede fachliche Frage.

Annex 11 behandelt risikobasiert GMP-relevante Änderungen und Löschungen sowie deren Begründung und regelmäßige Prüfung. Für den eigenen Ablauf empfiehlt sich ein Nachweiskonzept aus benötigten Daten, erfassten Ereignissen, Lücken und Kontrollen. Falls erforderliche Informationen fehlen, braucht es eine bewertete Lösung vor dem vorgesehenen Einsatz.

Quellen: [6] [17]

Genehmigungsworkflow und elektronische Signatur getrennt bewerten

Microsoft beschreibt Genehmigungsworkflows, die einen Datensatz bis zum Abschluss der erforderlichen Genehmigungen für die Verarbeitung sperren. Auch Abbruch und Delegation sind vorgesehen. Diese Beschreibung belegt einen Workflow, aber keine vollständige Erfüllung regulatorischer Signaturanforderungen.

Wenn eine elektronische Unterschrift erforderlich ist, bewerten Sie die konkrete Umsetzung einschließlich Identität, Signaturbedeutung und dauerhafter Verbindung zum unterschriebenen Record. Part 11 behandelt diese Aspekte in gesonderten Vorschriften. Prüfen Sie beispielsweise, was nach einer genehmigten Bestellung bei einer relevanten Änderung geschieht. Ist der unterschriebene Stand eindeutig? Ist eine erneute Entscheidung nötig und technisch oder organisatorisch gesichert? Auch Vertretungsfälle gehören in diesen Nachweis.

Quellen: [7] [18]

Erweiterungen und Partnerpakete in den eigenen Umfang übernehmen

AL-Erweiterungen können unter anderem Tabellen, Seiten und Geschäftslogik verändern. Business Central unterscheidet verschiedene App-Typen, darunter Marketplace-Apps und Per-Tenant Extensions. Erfassen Sie Hersteller, App-ID, Version, Abhängigkeiten und betroffene Prozesse. Ein neues Feld im Layout hat einen anderen Einfluss als geänderte Logik bei Chargenbuchungen.

Bewerten Sie Partnerunterlagen anhand der ausgelieferten Lösung: Welche Anforderungen und Versionen wurden geprüft? Welche Daten und Rollen wurden verwendet? Welche Abweichungen bleiben offen? Microsofts dokumentierte Marketplace-Prüfung nutzt beispielsweise CRONUS-Demodaten. Eine solche Produktprüfung ist kein Nachweis für Ihren konkreten GxP-Prozess.

Ein Partnerpaket kann verwertbare Nachweise enthalten. Ordnen Sie diese Ihren Anforderungen zu und ergänzen Sie unbelegte Konfigurationen, Integrationen und Prozessfälle. Aus der technischen Bezeichnung „Extension“ allein folgt keine belastbare GAMP-Einstufung. Beschreiben Sie Herkunft, Anpassungsgrad und Einfluss der einzelnen Bestandteile, bevor Sie deren Bewertungsweg festlegen.

Quellen: [8] [10] [9] [17]

Migration: Mehr als Mengen und Summen vergleichen

Bei der Migration von Business Central On-Premises nach online benennt Microsoft ausdrücklich nicht übertragene Inhalte: unter anderem Benutzer, Berechtigungen, die meisten Systemtabellen und Record Links. Auch Erweiterungsdaten unterliegen Voraussetzungen. Diese Grenzen gehören in den Übernahmeplan; ein erfolgreicher Tabellenlauf beweist keine vollständige Übernahme sämtlicher benötigter Informationen.

Inventarisieren Sie Stammdaten, Chargen, offene Vorgänge, Historien und Verknüpfungen. Legen Sie fest, was übernommen wird und was in einer geeigneten Altumgebung oder einem Archiv zugänglich bleibt. Vergleichen Sie neben Mengen auch Einheiten, Datumsbedeutung, Beziehungen und ausgewählte fachliche Abläufe. Prüfen Sie den erneuten Zugriff auf einen historischen Vorgang.

Für Ersteinrichtungen kommen auch Konfigurationspakete infrage. Microsoft begrenzt RapidStart-Konfigurationspakete auf diese Einrichtung und empfiehlt sie nicht zum Import in bereits produktiv genutzte Mandanten. Das gewählte Werkzeug und sein zulässiger Einsatz sind deshalb Teil der Planung.

Quellen: [11] [12]

Schnittstellen bis zur fachlichen Verarbeitung verfolgen

Business Central stellt REST-APIs für Verbindungen zu anderen Anwendungen bereit; bei online sind die APIs standardmäßig aktiviert. Daraus folgt nicht, dass jede benötigte Integration eingerichtet oder fachlich korrekt ist. Beschreiben Sie je Verbindung Datenobjekte, Richtung, Identitäten, Mapping und Fehlerbearbeitung.

Bei einer Laboranbindung könnte ein Ergebnisstatus die Materialverwendung beeinflussen. Prüfen Sie im selbst entwickelten Beispielszenario die Zuordnung von Artikel und Charge, unbekannte Kennungen, doppelte Nachrichten und spätere Statuskorrekturen. Dokumentieren Sie Ausgangsrecord, Übertragungsreferenz und Ergebnis im Ziel. Ein erfolgreicher HTTP-Aufruf allein genügt für diesen Vergleich nicht.

Vereinbaren Sie außerdem, wer fehlgeschlagene Übertragungen erkennt und entscheidet. Wiederholungen müssen fachlich beherrscht sein. Änderungen am Labor, an der Middleware oder an einer Partner-App gehören deshalb in dieselbe Betrachtung wie Änderungen in Business Central.

Quellen: [13]

Online-Updates mit einem wiederverwendbaren Prüfablauf begleiten

Microsoft beschreibt zwei große Updatezyklen pro Jahr sowie kleinere Updates. Administratoren planen Termine innerhalb zulässiger Zeiträume. Bei großen Versionsupdates werden Marketplace-Apps aktualisiert; erforderliche App-Updates können auch bei kleineren Umgebungsupdates erfolgen. Per-Tenant Extensions planen Sie mit dem zuständigen Entwickler gesondert ein. Eine einmal geprüfte App-Liste bleibt daher nicht automatisch unverändert.

Ordnen Sie die angekündigten Änderungen Ihren kritischen Prozessen zu. Bereiten Sie eine geeignete Testumgebung mit repräsentativer Konfiguration vor. Wiederverwendbare Prüfungen sollten beispielsweise Chargenverarbeitung, Berechtigungen, Genehmigungen und wichtige Schnittstellen abdecken. Ergänzen Sie gezielte Tests für konkret betroffene Funktionen. Dokumentieren Sie Befunde, Verantwortliche und die Entscheidung vor dem Produktivtermin.

Dieser Leitfaden liefert die Business-Central-Prüffelder. Ein allgemeines Verfahren für Cloud-Releases gehört in eine ergänzende Vertiefung; es ersetzt weder den konkreten Microsoft-Kalender noch die Abstimmung mit Ihren App-Anbietern.

Quellen: [14] [15] [10]

Checkliste für den Start der Business-Central-Validierung

Diese Planungshilfe bündelt die zuvor erläuterten Prüffelder für ein erstes Arbeitsgespräch.

  • Betriebsform, Version, Mandanten, Experience und installierte Apps sind erfasst.
  • Vorgesehener Einsatz und Anforderungen an die relevanten Geschäftsprozesse sind beschrieben.
  • Kritische Fehlermöglichkeiten, Akzeptanzkriterien und geeignete Testdaten sind festgelegt.
  • Rollen, Änderungsnachweise und benötigte Genehmigungen können im Testsystem geprüft werden.
  • Partnernachweise, Schnittstellen und der Umfang einer Migration sind zugeordnet.
  • Updateplanung und Verantwortliche für offene Befunde sind abgestimmt.

Häufige Fragen zu Microsoft Dynamics 365 Business Central

Kann Microsoft Dynamics 365 Business Central im GxP-Umfeld eingesetzt werden?

Ob Ihre Lösung geeignet ist, lässt sich erst für den konkreten Einsatz beantworten. Entscheidend sind betroffene Prozesse, benötigte Kontrollen und tatsächlich verfügbare Nachweise. Ein Produktname oder ein Partnerangebot genügt dafür nicht. Beschreiben Sie zunächst die beabsichtigte Nutzung und vergleichen Sie Ihre Anforderungen mit Standardfunktionen, Konfiguration und Erweiterungen. Offene Lücken benötigen eine bewertete Entscheidung.

Brauchen wir für die Validierung Business Central Premium?

Die Validierung selbst ist keine Premium-Funktion. Die benötigten Geschäftsprozesse bestimmen den Funktions- und Lizenzumfang. Microsoft ordnet Fertigung und Service Management der Premium-Experience zu. Prüfen Sie mit Ihrem Partner, welche Standardfunktionen und Apps Ihr Ablauf verwendet. Die Auswahl einer Experience ersetzt weder passende Benutzerlizenzen noch das Testen der eingerichteten Lösung.

Übernimmt Microsoft bei Business Central online unsere Validierung?

Microsoft betreibt und aktualisiert den Online-Dienst. Ihr Unternehmen benötigt dennoch eine nachvollziehbare Bewertung des konkreten regulierten Einsatzes. Dazu gehören eigene Anforderungen, Rollen, Konfiguration und Integrationen. Vereinbaren Sie mit Microsoft beziehungsweise dem Vertragspartner und dem Implementierungspartner, welche Nachweise verfügbar sind. Legen Sie anschließend fest, welche eigenen Prüfungen und Entscheidungen hinzukommen.

Reicht das Change Log als GxP-Audit-Trail?

Das muss am benötigten Record und Ereignis geprüft werden. Erfassen Sie die fachlich benötigten Informationen und vergleichen Sie diese mit dem eingerichteten Change Log und weiteren Nachweisen. Berücksichtigen Sie auch Änderungen durch Apps oder Schnittstellen. Aufbewahrung, Schutz und Auswertbarkeit brauchen eigene Festlegungen. Fehlende Protokollinformationen werden durch die bloße Aktivierung des Change Log nicht nachträglich ergänzt.

Ist eine Business-Central-Genehmigung automatisch eine elektronische Signatur nach Part 11?

Nein. Die Workflow-Funktion allein belegt die Erfüllung der einschlägigen Signaturanforderungen nicht. Prüfen Sie zunächst, ob eine solche Signatur für den Vorgang benötigt wird. Danach bewerten Sie die vollständige Umsetzung, beispielsweise Personenzuordnung, Bedeutung und Verbindung zum betreffenden Record. Auch der Umgang mit späteren Änderungen und Stellvertretung muss für den Prozess geklärt sein.

Können wir ein Validierungspaket unseres Partners übernehmen?

Verwenden Sie geeignete Nachweise, nachdem Sie deren Abdeckung bewertet haben. Wichtig sind geprüfte Version, Konfiguration, Anforderungen, Rollen und Testdaten. Erstellen Sie eine Zuordnung zu Ihren eigenen Anforderungen. Nicht abgedeckte Schnittstellen, kundenspezifische Abläufe und relevante Abweichungen bleiben sichtbar. Ein umfangreiches Paket kann hilfreich sein; sein Umfang allein sagt wenig über die Eignung für Ihre Installation aus.

Ist jede Business-Central-Extension automatisch GAMP-Kategorie 5?

Eine pauschale Zuordnung nur anhand des Namens Extension ist keine tragfähige Bewertung. Erfassen Sie, ob eine verbreitete Produktfunktion, eine Konfiguration oder individuell entwickelte Logik vorliegt. Betrachten Sie außerdem deren Einfluss auf den vorgesehenen Prozess. Eine technische Bereitstellungsform entscheidet diese Fragen nicht. Halten Sie die begründete Einordnung der Bestandteile in Ihrem festgelegten Vorgehen fest.

Müssen wir nach jedem Online-Update alles erneut validieren?

Planen Sie eine dokumentierte Auswirkungsbewertung und daraus abgeleitete Prüfungen. Ein unveränderter Prozess kann andere Nachweise benötigen als eine geänderte App mit neuer Buchungslogik. Halten Sie einen geeigneten Bestand wiederholbarer kritischer Prozessprüfungen bereit. Ergänzen Sie die betroffenen Änderungsfälle und entscheiden Sie offene Befunde vor dem Produktivupdate. Die konkreten Termine müssen in den verfügbaren Updatezeitraum passen.

Bleibt bei einer NAV- oder On-Premises-Migration die komplette Historie erhalten?

Das dürfen Sie nicht pauschal voraussetzen. Migrationsweg, Ausgangsversion, Erweiterungen und Datenumfang entscheiden über die Übernahme. Microsoft nennt bei der Business-Central-Cloud-Migration ausdrückliche Ausnahmen, etwa Benutzer und Berechtigungen. Für frühere NAV-Stände ist der passende Upgradepfad zusätzlich zu klären. Definieren Sie benötigte historische Informationen einzeln und prüfen Sie ihre spätere Lesbarkeit und Zuordnung.

Welche Unterlagen brauchen wir, bevor Tests starten?

Bereiten Sie eine Systemübersicht, den vorgesehenen Einsatz, konkrete Anforderungen und die Bewertung kritischer Fehlermöglichkeiten vor. Ergänzen Sie App- und Schnittstellenliste, Rollen, geeignete Testdaten und verfügbare Partnernachweise. Vereinbaren Sie Akzeptanzkriterien und Verantwortliche für Befunde. Daraus entsteht ein belastbarer Arbeitsumfang. Eine feste Dauer lässt sich erst mit diesen Informationen und der Verfügbarkeit der Beteiligten sinnvoll planen.

Quellen & fachlicher Stand

Recherchegrundlage sind Microsoft Learn, das EU-GMP-Verzeichnis, Annex 11 und die angegebenen US-Quellen. Dokumentation beschreibt Funktionen und Grenzen; eigene Prüfbeispiele sind Empfehlungen. Versions-, Lizenz- und Partnerbesonderheiten müssen am konkreten System bestätigt werden.

  1. Microsoft Learn: Enable premium features
  2. Microsoft Learn: Deployment of Dynamics 365 Business Central
  3. Microsoft Learn: Set up item tracking with serial, lot, and package numbers
  4. Microsoft Learn: Trace item-tracked items
  5. Microsoft Learn: Assign permissions to users and groups
  6. Microsoft Learn: Audit changes
  7. Microsoft Learn: How to use approval workflows
  8. Microsoft Learn: Extensibility overview
  9. Microsoft Learn: Testing your extension
  10. Microsoft Learn: Managing Apps
  11. Microsoft Learn: Business Central on-premises to online migration: End-to-end overview
  12. Microsoft Learn: Apply Company Configuration Packages
  13. Microsoft Learn: API v2.0 for Business Central
  14. Microsoft Learn: Managing updates in the Business Central admin center
  15. Microsoft Learn: Update cycles
  16. Europäische Kommission: EudraLex Volume 4
  17. Europäische Kommission: EU-GMP Annex 11, Revision Januar 2011
  18. eCFR: 21 CFR Part 11, Electronic Records; Electronic Signatures
  19. FDA: Part 11, Electronic Records; Electronic Signatures — Scope and Application

Zuletzt fachlich geprüft am 06.10.2026.

Daniel Herrmann, Daniel Herrmann Consulting

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