Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste vorab
Wie werden Sage-100-Zusatzmodule im GxP-Projekt validiert?
Ein GxP-relevantes Zusatzmodul wird zusammen mit den betroffenen Sage-100-Prozessen und Datenwegen bewertet. Grenzen Sie Hersteller, Versionen, Schnittstellen und Verantwortlichkeiten ab. Prüfen Sie anschließend die fachliche Übergabe zwischen Kernsystem und Erweiterung einschließlich Fehlern, Wiederholungen und Statusänderungen. Die Freigabe eines einzelnen Moduls beweist nicht die Eignung der gesamten Kombination.
Einordnung und Geltungsbereich
Sage führt verschiedene Partner- und Zusatzlösungen. Der Beitrag setzt keine bestimmte Funktion bei jedem Add-on voraus. Benötigte Eigenschaften, etwa Protokollierung oder Sperrlogik, sind für das konkrete Produkt und dessen Version nachzuweisen.
Die Validierungsgrenze folgt dem Datenweg
Klären Sie die Verantwortung für Änderungen. Ein Sage-Update und ein Add-on-Update können getrennte Termine und Ansprechpartner haben, obwohl sie denselben Ablauf verändern. Ohne abgestimmte Kompatibilitäts- und Prüfplanung entsteht eine Kombination, die keiner der Beteiligten als Ganzes geprüft hat.
Auch der Störungsfall braucht eine gemeinsame Sicht. Ein Scanner kann einen Vorgang lokal bestätigen, während die Buchung im ERP abgewiesen wird. Das Team benötigt eine erkennbare Fehlerlage, eine kontrollierte Wiederholung und einen Abgleich gegen Doppelbuchungen. Diese Nachweise gehören zum Prozess und nicht nur zum technischen Schnittstellentest.
Die tatsächlich eingesetzte Lösung inventarisieren
Sage 100 kann mit Zusatzlösungen und individuellen Erweiterungen verwendet werden. Der Produktname allein beschreibt deshalb nicht Ihre qualitätsrelevante Anwendung. Erfassen Sie Hersteller, Version und Zweck jedes relevanten Moduls sowie eigene Anpassungen. Ein allgemeines Sage-Zertifikat oder eine Beschreibung des Basissystems deckt diese Bestandteile nicht automatisch ab.
Beginnen Sie beim Geschäftsprozess. Welches Modul verändert Chargeninformationen, berechnet Mengen, erstellt Etiketten oder übermittelt Ergebnisse? Welche Entscheidung beruht darauf? Ergänzen Sie Datenbankobjekte, Schnittstellen und manuelle Übergaben, soweit sie für die Aussage benötigt werden. Die Systemgrenze sollte die tatsächliche Datenverarbeitung abbilden.
Eine Herstellerübersicht über Zusatzlösungen ist ein Einstieg für die Bestandsaufnahme, kein Nachweis des konkreten installierten Verhaltens. Fordern Sie passende Unterlagen vom jeweiligen Anbieter an. Benennen Sie fehlende Informationen ausdrücklich. Ein unbekanntes Modul sollte nicht stillschweigend als Standardfunktion eingeordnet werden.
Abhängigkeiten zwischen Basis, Modul und Schnittstelle bewerten
Ein Zusatzmodul kann Daten des Basissystems verwenden und zugleich eigene Felder oder Regeln hinzufügen. Eine Änderung an einem gemeinsamen Stammdatum kann mehrere Ausgaben beeinflussen. Erstellen Sie deshalb eine einfache Abhängigkeitsübersicht: Quelle, Verarbeitung, Ziel und verantwortlicher Anbieter. Diese Übersicht hilft auch bei der Fehlerklärung.
Trennen Sie verfügbare Lieferantennachweise von eigenen Prozessprüfungen. Ein Modultest kann bestimmte Funktionen belegen, aber nicht Ihre Konfiguration, Rollen oder angeschlossenen Systeme. Prüfen Sie die Übertragbarkeit anhand Version, Umfang und Voraussetzungen. Unpassende Unterlagen werden nicht allein durch Ablage im Validierungspaket geeignet.
| Bestandteil | Zu erfassende Information | Eigene Prüffrage |
|---|---|---|
| Sage-Basis | Version und relevante Konfiguration | Welche Grunddaten und Aktionen werden verwendet? |
| Zusatzmodul | Anbieter, Version und Zweck | Welche qualitätsrelevante Logik kommt hinzu? |
| Eigene Anpassung | Änderungsstand und Verantwortlicher | Wer versteht und pflegt die Regel? |
| Schnittstelle | Datenobjekte, Mapping und Fehlerweg | Ist die Verarbeitung bis zum Empfänger nachvollziehbar? |
| Ausgabe | Bericht, Etikett oder Datei | Welche Entscheidung beruht auf dem Ergebnis? |
Beispiel: ein Zusatzmodul verändert die Einheitenlogik
Das Szenario ist konstruiert. Das Basissystem führt eine Menge in Kilogramm, ein Zusatzmodul erzeugt eine Ausgabe in Gramm. Für 0,25 Kilogramm werden 250 Gramm erwartet. Nach einer Änderung wird versehentlich ein zweiter Umrechnungsfaktor angewandt. Die Ausgabe enthält einen plausibel formatierten, aber falschen Wert. Ein Test nur der Sage-Eingabemaske erkennt das nicht.
Dokumentieren Sie Originalwert, Einheit, Transformationsregel und Zielausgabe. Prüfen Sie einen normalen Wert, einen kleinen Grenzwert und eine unzulässige oder fehlende Einheit. Der unabhängige Sollwert wird vor Durchführung berechnet. Testen Sie die tatsächlich installierte Kombination aus Basis, Modul und Ausgabeweg.
Bei einem Fehler klären Sie, wo die Transformation stattfindet. Das kann im Modul, in einem Mapping oder bereits im Quelldatensatz liegen. Eine manuelle Korrektur des erzeugten Dokuments behandelt die Ursache nicht. Nach Anpassung werden betroffene Fälle und andere abhängige Ausgaben überprüft. Die Auswahl bleibt auf die bewerteten Risiken bezogen.
| Prüffall | Eingabe oder Situation | Erwarteter Nachweis |
|---|---|---|
| Normalfall | 0,25 Kilogramm | 250 Gramm im richtigen Zielkontext |
| Kleine Menge | Bezeichnete niedrige Menge | Definierte Genauigkeit und Rundung |
| Fehlende Einheit | Wert ohne erforderliche Einheit | Keine ungeklärte fachliche Weiterverarbeitung |
| Wiederholung | Gleichen Vorgang erneut ausgeben | Gewählte Wiederholungsregel bleibt nachvollziehbar |
| Moduländerung | Neuen Stand mit Referenzfällen prüfen | Kein unbeabsichtigter zweiter Faktor |
| Andere Ausgabe | Abhängiges Etikett oder Bericht prüfen | Gemeinsame Logik wirkt konsistent |
Anbieterrollen und Verantwortlichkeiten schriftlich klären
Bei mehreren Lieferanten kann jeder nur einen Teil des Gesamtablaufs kennen. Benennen Sie, wer Basis, Modul, Anpassung und Schnittstelle bewertet und wer das Gesamtbild zusammenführt. Eine Störung sollte nicht zwischen Anbietern kreisen, weil die führende Datenregel unklar ist. Die Verantwortung des regulierten Unternehmens für den eigenen Einsatz bleibt bestehen.
Klären Sie Zugriff auf erforderliche Unterlagen und die Unterstützung bei Änderungen. Welche Versionen werden unterstützt? Wie werden bekannte Fehler mitgeteilt? Wer erklärt eine individuelle Anpassung, wenn der ursprüngliche Entwickler nicht verfügbar ist? Diese Fragen beeinflussen langfristige Betreibbarkeit und sind Teil einer angemessenen Lieferantenbewertung.
Dokumentieren Sie auch Grenzen verfügbarer Nachweise. Eine Marketingbeschreibung ist schwächer als eine konkrete Funktions- oder Testunterlage zum installierten Stand. Fehlende Evidenz kann zusätzliche eigene Prüfung oder eine andere Lösung erforderlich machen. Eine pauschale „Hersteller ist verantwortlich“-Formulierung schließt diese Lücke nicht.
Updates auf die gesamte Kombination beziehen
Ein Update des Basissystems kann ein unverändertes Zusatzmodul beeinflussen. Umgekehrt kann ein Modulupdate bestehende Daten anders verwenden. Bewerten Sie Kompatibilität und fachliche Wirkung gemeinsam. Der technische Start der Anwendung ist nur ein Teil des Nachweises.
Pflegen Sie einen kleinen Satz kritischer End-to-End-Fälle. Er sollte Datenübernahme, Transformation, Rechte und Ausgabe verbinden. Bei einer Änderung wird begründet, welche Fälle erneut ausgeführt werden. Ein vollständiger Test jeder kaufmännischen Funktion ist nicht automatisch nötig; ein reiner Login-Test ist für eine kritische Mengenlogik zu wenig.
Erhalten Sie einen nachvollziehbaren Konfigurationsstand mit allen relevanten Versionen. Die Bezeichnung „Sage 100 aktuell“ ist für spätere Rekonstruktion unpräzise. Verknüpfen Sie Testbericht und tatsächlich verwendete Kombination. Damit kann das Team bei einem späteren Befund gezielt erkennen, welcher Bestandteil verändert wurde.
Betrieb und Übergabe auf erklärbare Regeln ausrichten
Übergeben Sie nicht nur Installationsdateien, sondern die fachliche Bedeutung wichtiger Einstellungen. Ein interner Systemverantwortlicher sollte den Weg eines kritischen Werts von der Quelle bis zur Ausgabe erklären können. Eine praktische Übung mit einer Einheitentransformation oder einem Statuswechsel zeigt, ob diese Verbindung verstanden wurde.
Definieren Sie den Umgang mit Fehlern und manuellen Korrekturen. Wer beurteilt betroffene Daten, wer verändert die Regel und wer bestätigt die richtige Folgeverarbeitung? Erhalten Sie den ursprünglichen Befund und seine Verbindung zur Korrektur. Ein nachbearbeitetes Etikett ohne Erklärung kann die eigentliche Ursache verdecken.
Bewerten Sie langfristige Abhängigkeit vom Zusatzmodul. Wenn ein Anbieter die Unterstützung beendet, müssen Datenzugang, notwendige Unterlagen und mögliche Ablösung rechtzeitig betrachtet werden. Eine aktive Lizenz allein ist kein vollständiges Betriebs- oder Aufbewahrungskonzept.
Arbeitsvorlage: einen Wert durch Basis, Erweiterung und Ausgabe verfolgen
Beschreiben Sie eine kritische Datenkette mit eindeutigen Kennungen. Im Beispiel wird eine Menge im Basissystem erfasst, durch ein Zusatzmodul umgerechnet und auf einem Etikett ausgegeben. Benennen Sie jede Transformationsstelle. Wenn zwei Komponenten dieselbe Umrechnung ausführen, kann ein systematischer Fehler entstehen, obwohl jede Oberfläche plausibel aussieht.
Die Vorlage eignet sich auch für die Abstimmung zwischen mehreren Lieferanten. Jeder sollte erklären, welchen Teil er bereitstellt und welche Voraussetzungen er annimmt. Der Gesamtverantwortliche verbindet diese Aussagen. Eine unklare Schnittstelle zwischen Anbietern darf nicht durch eine pauschale Bestätigung des Basissystems verdeckt werden.
Bei einem Befund sollten Hersteller und Kunde denselben referenzierten Datenfall betrachten. Das erleichtert die Unterscheidung zwischen Quellfehler, Transformation und Darstellung. Eine manuell korrigierte Ausgabe kann kurzfristig nötig sein, behandelt aber nicht automatisch die fehlerhafte gemeinsame Regel.
| Kettenfeld | Konstruierter Eintrag | Prüfaussage |
|---|---|---|
| Quelle | 0,25 Kilogramm mit bekannter Artikelkennung. | Originalwert und Einheit sind eindeutig. |
| Erweiterung | Bezeichnetes Modul mit dokumentierter Version. | Ort der Umrechnung ist bekannt. |
| Regel | Kilogramm wird einmal in Gramm umgerechnet. | Sollwert 250 Gramm unabhängig hergeleitet. |
| Ausgabe | Etikett oder Bericht zum richtigen Vorgang. | Wert, Einheit und Bezug passen. |
| Fehlerfall | Fehlende oder unpassende Einheit. | Keine ungeklärte Weiterverarbeitung. |
| Änderung | Basis- oder Modulupdate mit derselben Referenz. | Kompatibilität und fachliche Wirkung gemeinsam geprüft. |
Die nächsten Schritte
- Systemgrenze und datenverändernde Funktionen dokumentieren.
- Kompatibilität und Nachweise beider Lieferanten bewerten.
- Gemeinsame Normal- und Fehlerfälle ausführen.
- Update- und Störungsverantwortung für die Kombination festlegen.
Häufige Fragen zu Sage 100: Zusatzmodule
Kann das Zusatzmodul separat validiert werden?
Genügt die Freigabe des Implementierungspartners?
Was gehört in die Systembeschreibung?
Können wir nur Sage 100 validieren und Zusatzmodule ausklammern?
Nicht, wenn diese Module den vorgesehenen qualitätsrelevanten Prozess beeinflussen. Die Systemgrenze folgt Daten und Entscheidungen. Ein Modul, das Mengen umrechnet oder Chargeninformationen ausgibt, gehört entsprechend in die Bewertung. Rein unabhängige unkritische Funktionen können anders eingeordnet werden; die Abgrenzung sollte nachvollziehbar begründet sein.
Reicht eine Kompatibilitätsfreigabe des Modulherstellers nach einem Update?
Sie kann eine wichtige Unterlage sein. Prüfen Sie jedoch, welchen Stand und Umfang sie abdeckt. Ihre Konfiguration, individuellen Anpassungen und angeschlossenen Systeme können zusätzliche Nachweise benötigen. Geeignete eigene End-to-End-Fälle bestätigen, dass die kritische fachliche Verarbeitung in Ihrer tatsächlichen Kombination weiterhin richtig funktioniert.
Welche Zusatzmodule gehören in das Systeminventar?
Erfassen Sie diejenigen Bestandteile, die den vorgesehenen qualitätsrelevanten Prozess oder seine Nachweise beeinflussen. Dazu können Partnerlösungen, individuelle Anpassungen und Schnittstellen gehören. Der installierte Produktname allein beschreibt die tatsächliche Lösung nicht. Begründen Sie ausgeschlossene unabhängige Funktionen anhand ihrer Wirkung.
Wie vermeiden wir Zuständigkeitslücken zwischen mehreren Anbietern?
Benennen Sie Quelle, Verarbeitung und Ziel mit jeweils zuständiger Stelle. Vereinbaren Sie, wer den Gesamtfall zusammenführt und erforderliche Nachweise bereitstellt. Ein Lieferantennachweis für einen Teil ersetzt nicht die Prüfung des Zusammenspiels. Die konkrete Verantwortung sollte im Projekt- und Betriebsmodell verständlich bleiben.
Quellen & fachlicher Stand
Die Quellen bilden den fachlichen Rahmen. Tabellen, Checklisten und ausdrücklich illustrative Beispiele sind eigene methodische Ableitungen, keine wörtlichen Normvorgaben. Herstellerinformationen sind auf die eingesetzte Version und Konfiguration zu beziehen.
- Europäische Kommission: EU-GMP Annex 11, Computerised Systems (2011)
- Sage: Zusatzlösungen für Sage 100
Zuletzt fachlich geprüft am 14.10.2026.
Damit Ihr Team den nächsten Schritt sicher planen kann.
Wir unterstützen Sie dabei, die Ausgangslage einzuordnen, Verantwortlichkeiten zu klären und passende Nachweise im Betrieb umzusetzen. Welche Unterstützung sinnvoll ist, hängt von Ihrem System, Ihrem Team und dem konkreten Ziel ab.
- IT-GxP-Audit →
Offene Punkte und Prioritäten für Ihren Betrieb einordnen.
- IT-GxP-Consulting →
Vereinbarte Systemprojekte strukturiert umsetzen und übergeben.
