Regelwerke und Compliance · Praxisleitfaden

Annex 11: Notfallbetrieb kritischer Systeme planen

Ein wiederhergestellter Server bedeutet noch nicht, dass ein kritischer Prozess kontrolliert weiterläuft. Während des Ausfalls können Entscheidungen fehlen, manuelle Aufzeichnungen entstehen oder Vorgänge nur teilweise verarbeitet sein. Business Continuity nach Annex 11 verbindet deshalb technische Verfügbarkeit mit der tatsächlichen Arbeit. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie ein begrenztes Ersatzverfahren planen, dessen Grenzen testen und Zwischenaufzeichnungen wieder zusammenführen. Der Beispielsfall betrifft Humanarzneimittel-GMP und ist ausdrücklich konstruiert.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste vorab

Was muss der Notfallbetrieb kritischer Systeme nach Annex 11 leisten?

Annex 11 § 16 adressiert die Kontinuität kritischer Prozesse bei Systemausfall. Geeignete Ersatzvorkehrungen sollen dokumentiert und getestet sein; ihre Aktivierungszeit richtet sich nach Risiko und Prozess. Planen Sie deshalb erlaubte Tätigkeiten, notwendige Informationen, Verantwortlichkeiten und den Weg zurück in den Normalbetrieb. Eine Sicherungskopie unterstützt Wiederherstellung, ist aber allein kein vollständiges Notfallverfahren. Wenn Voraussetzungen fehlen, kann das geordnete Anhalten einzelner Tätigkeiten Teil des angemessenen Vorgehens sein.

  • Planen Sie den kritischen Prozess einschließlich seiner Informationsabhängigkeiten.
  • Ersatzverfahren brauchen erlaubte Tätigkeiten und klare Grenzen.
  • Der Wiederanlauf muss Zwischenaufzeichnungen und elektronische Zustände zusammenführen.

1. Kontinuität am kritischen Prozess ausrichten

Annex 11 Januar 2011 ist am 7. Oktober 2026 weiterhin im Humanarzneimittel-GMP-Bereich gelistet. § 16 bezieht sich auf Systeme, die kritische Prozesse unterstützen. Als mögliche Vorkehrungen nennt die Passage manuelle oder alternative Systeme, ohne eine einzige technische Lösung vorzuschreiben.

Beginnen Sie mit der Frage, was während eines Ausfalls tatsächlich gefährdet ist. Geht es um laufende Prozesssteuerung, Zugriff auf den gültigen Materialstatus oder die Aufzeichnung einer bereits begonnenen Tätigkeit? Diese Unterschiede bestimmen, welche Arbeit weitergehen kann und welche Bedingungen dafür erfüllt sein müssen. Der allgemeine Wunsch nach schneller Verfügbarkeit ist noch keine belastbare Prozessanforderung.

Quellen: [1] [4]

2. Ausfallszenarien und abhängige Informationen bestimmen

Eine Anwendung kann erreichbar sein, während ihr Identitätsdienst oder eine entscheidende Schnittstelle ausfällt. Umgekehrt kann die Oberfläche nicht verfügbar sein, obwohl Daten sicher gespeichert bleiben. Beschreiben Sie daher plausible Szenarien und die jeweils fehlende Fähigkeit, statt nur den Zustand „IT ausgefallen“ zu verwenden.

Berücksichtigen Sie auch gemeinsame Abhängigkeiten. Ein Ersatzverfahren, das dieselbe ausgefallene Dateiablage für seine Formulare benötigt, ist möglicherweise nicht verfügbar. Ebenso hilft eine gedruckte Liste wenig, wenn sie den aktuellen Status nicht verlässlich abbildet. Die Eignung der Ersatzinformation muss zum konkreten Risiko und Zeitpunkt passen.

Quellen: [1] [3]

3. Ersatzbetrieb mit erlaubten Tätigkeiten definieren

Definieren Sie Aktivierung, Zuständigkeit, benötigte Mittel und Grenzen. Welche Information muss vorliegen, wer darf das Ersatzverfahren starten und wann wird eskaliert oder angehalten? Die erforderliche Zeit bis zur Nutzbarkeit leiten Sie aus dem Prozess ab. Annex 11 enthält dafür keine universelle Stundenfrist.

Die eigene Matrix unterscheidet Voraussetzungen und Stopppunkte. Sie ist keine Empfehlung, bei jedem Ausfall auf Papier weiterzuarbeiten. Ein manueller Weg ist nur dann hilfreich, wenn er die benötigten Kontrollen angemessen trägt. Fehlt beispielsweise die verlässliche Zuordnung eines Materials, kann Weiterarbeit eine falsche Sicherheit erzeugen.

Eigene Entscheidungshilfe für ein Ersatzverfahren
ProzessbedarfVoraussetzung für FortsetzungGrenze oder Stopppunkt
Material verwendenVerlässliche Identität und erlaubter StatusStatus oder Zuordnung ungeklärt
Vorgang dokumentierenGelenkte erreichbare Aufzeichnung und verantwortliche PersonAufzeichnung nicht eindeutig zuordenbar
Menge disponierenBekannter Ausgangsbestand und erfasste ZwischenbewegungenBestand nicht mehr verlässlich bestimmbar
Störung bearbeitenBenannte technische und fachliche ZuständigkeitUngeklärte Auswirkungen auf Daten oder Prozess
Normalbetrieb wieder aufnehmenAbgleich von Zwischenvorgängen und SystemzustandWidersprüche noch nicht bewertet

Quellen: [1] [2]

4. Illustrative Übung: Bestand während eines Ausfalls

Das folgende Modell ist ausdrücklich erfunden. Vor dem Ausfall stehen für Charge B-010 genau 100 Einheiten mit bestätigter Verwendungsberechtigung bereit. Ein genehmigtes Ersatzverfahren erlaubt nur dokumentierte Entnahmen aus diesem bekannten Bestand. Es entstehen die eindeutig bezeichneten Vorgänge N-01 über 12 Einheiten und N-02 über 8 Einheiten. Neue Statusentscheidungen sind im Beispiel nicht Teil des Ersatzverfahrens.

Das unabhängige Soll lautet: 100 − 12 − 8 = 80 Einheiten verbleiben. Nach Wiederanlauf müssen beide Vorgänge genau einmal berücksichtigt sein. Die Tabelle beschreibt erwartete Ergebnisse einer geplanten Übung, keinen tatsächlich ausgeführten Test und keine Empfehlung einer allgemeinen Mengengrenze.

Illustrative Übung mit definiertem Ausgangsbestand
PrüfschrittErwartetes ErgebnisFehler, der sichtbar werden soll
Start100 Einheiten; Charge und Status bestätigtUnbekannter oder überholter Ausgangsstand
N-01: 12 Einheiten88 verbleiben; Vorgang zugeordnetEntnahme ohne eindeutige Aufzeichnung
N-02: 8 Einheiten80 verbleiben; zweiter Vorgang zugeordnetVerwechslung oder ausgelassene Bewegung
RückübernahmeN-01 und N-02 jeweils einmal berücksichtigtDoppelte Buchung von N-01 ergäbe 68 statt 80
AbschlussElektronischer Zustand und Zwischenbelege stimmenSystemstart wird vorschnell als Prozessabschluss behandelt

Quellen: [1] [2]

5. Zwischenaufzeichnungen beherrschen

Planen Sie, wie Aufzeichnungen erreichbar, identifizierbar und gegen Verwechslung geschützt bleiben. Bei Papier bedeutet das beispielsweise geeignete Formulare, eindeutige Vorgangsbezüge und nachvollziehbare Korrekturen. Bei elektronischen Hilfsmitteln sind deren tatsächliche Zugriffsmöglichkeiten und Datenwege zu betrachten.

Kapitel 4 behandelt zeitnahe Aufzeichnungen und kontrollierte Änderungen. Für den Ersatzbetrieb folgt daraus eine praktische Aufgabe: Die spätere Übernahme darf die ursprüngliche zeitliche und fachliche Beziehung nicht verdecken. Erfassen Sie den tatsächlichen Vorgang und unterscheiden Sie ihn von der späteren Eingabe ins wieder verfügbare System. Ein nachträglich erstellter Sammelbericht erklärt diese Unterschiede nicht automatisch.

Quellen: [2] [1]

Vertiefung zu diesem Thema:

6. Den Wiederanlauf als eigenen Übergang planen

Klären Sie vorab, wer den technischen Zustand und wer die fachliche Fortsetzung beurteilt. Teilweise verarbeitete Nachrichten oder Buchungen dürfen beim Nachtragen nicht unbemerkt ein zweites Mal wirken. Für den Abgleich sind geeignete Referenzen und Kenntnis des letzten verlässlichen Systemstands erforderlich.

Im Beispiel wird deshalb jeder Zwischenvorgang mit dem elektronischen Bestand verglichen. Ein sichtbarer Restbestand von 80 allein wäre noch nicht der vollständige Nachweis, wenn sich zwei falsche Bewegungen zufällig ausgleichen. Die einzelnen Vorgänge und ihre Zuordnung bleiben wichtig. Erst die bewertete Übereinstimmung trägt die Entscheidung, wieder in den vereinbarten Normalablauf zu wechseln.

Quellen: [1] [3] [2]

7. Die Übung auf Schwachstellen ausrichten

Eine Besprechung kann Rollen und Entscheidungen klären; sie zeigt nicht automatisch, dass Formulare, Berechtigungen oder Wiederherstellung praktisch funktionieren. Wählen Sie eine passende Kombination aus Durchsprache und tatsächlicher Erprobung. Dabei muss die Produktivumgebung vor unbeabsichtigten Eingriffen geschützt werden.

Variieren Sie gezielt relevante Bedingungen: fehlende Vertretung, nicht erreichbare Ersatzablage oder ein teilweise gebuchter Vorgang. Dokumentieren Sie Beobachtungen und bewerten Sie ihre Bedeutung. Ein Übungsfehler ist eine Gelegenheit zur gezielten Verbesserung, kein Anlass, das erwartete Ergebnis nachträglich an die Beobachtung anzupassen. Änderungen am Verfahren können passende erneute Nachweise erfordern.

Quellen: [1] [3]

8. Zuständigkeit und Pflege im Betrieb verankern

Ein Notfallplan muss zum aktuellen System und zur verfügbaren Organisation passen. Änderungen an Schnittstellen, Datenablagen, Personal oder Arbeitsweise können seine Annahmen verändern. Verbinden Sie seine Pflege deshalb mit dem Änderungsprozess und der periodischen Bewertung, statt nur eine abgelegte Datei vorzuhalten.

Für die erste Bearbeitung genügt ein klar abgegrenztes kritisches Szenario. Fachbereich und QA bestimmen die erlaubte Fortsetzung, IT erklärt Ausfall- und Wiederherstellungsmöglichkeiten. Die folgende Checkliste unterstützt diesen gemeinsamen Durchgang. Sie ist keine Zusage, dass ein bestimmtes Ersatzverfahren behördlich oder für jede Störung geeignet ist.

  • Kritischen Prozess und konkrete Ausfallszenarien beschrieben.
  • Informationsabhängigkeiten des Ersatzverfahrens geprüft.
  • Aktivierung, verantwortliche Rollen und Stopppunkte festgelegt.
  • Zwischenaufzeichnungen und zeitliche Zuordnung vorbereitet.
  • Rückübernahme einschließlich Teilverarbeitung und Doppelbuchung geregelt.
  • Geeignete Übung, Befundbearbeitung und Pflegeanlässe bestimmt.

Quellen: [1] [2]

RTO und RPO: Prozessziele mit einem durchgerechneten Fall prüfen

RTO beschreibt im hier verwendeten Notfallkonzept die angestrebte Zeit bis zur Wiederherstellung der benötigten Betriebsfähigkeit. RPO beschreibt den tolerierbaren zeitlichen Abstand des wiederhergestellten Datenstands zum Ausfall. Beide Werte werden aus dem konkreten Prozess abgeleitet. Annex 11 nennt dafür keine universelle Stunden- oder Minutenfrist. Ein technisch schneller Restore kann trotzdem einen fachlich nicht ausreichend aktuellen Bestand liefern.

Das folgende Beispiel ist konstruiert. Die letzte brauchbare Sicherung stammt von 08:00 Uhr, der Ausfall beginnt um 10:00 Uhr. Ohne weitere Wiederherstellungsmöglichkeit fehlen damit bis zu zwei Stunden Daten. Wenn der Prozess nur 15 Minuten toleriert, ist das Ziel nicht belegt. Zusätzlich muss bewertet werden, wann Anmeldung, Schnittstellen, Statusabgleich und erlaubte Weiterarbeit tatsächlich verfügbar sind. Der reine Datenbankstart ist nicht zwingend der fachliche Wiederanlauf.

Eigene RTO/RPO-Prüfung mit konstruierten Zeiten
MerkmalBeispielZu bewertende Aussage
Letzter brauchbarer Stand08:00 UhrWelche Daten danach fehlen
Ausfallbeginn10:00 UhrBis zu zwei Stunden Datenlücke
Eigenes RPO-Ziel15 MinutenMit dieser Sicherung allein nicht belegt
Technischer StartDatenbank läuft wiederNoch keine vollständige Betriebsfähigkeit
Fachlicher AbgleichStatus und Nachbuchungen geprüftErlaubte Weiterarbeit bestätigt
RTO-MessungDefinierter Beginn bis geeigneter EndpunktGesamter benötigter Wiederanlauf

Quellen: [1]

Die Notfallübung an den tatsächlichen Endpunkt führen

Definieren Sie vor der Übung, wann sie fachlich erfolgreich ist. Benötigt der Prozess aktuelle Sperrstände, bestimmte Schnittstellen und autorisierte Benutzer, werden diese Bedingungen einbezogen. Prüfen Sie zwischenzeitliche manuelle Aufzeichnungen und ihre kontrollierte Übernahme. Eine scheinbar schnelle Rückkehr kann später Doppelbuchungen oder widersprüchliche Status erzeugen, wenn der Abgleich ausgelassen wird.

Dokumentieren Sie gemessene Zeiten und Datenstände getrennt von Zielwerten. Ein Ziel ist kein bereits nachgewiesenes Ergebnis. Befunde werden mit Verantwortlichen und Verbesserungen bearbeitet. Prüfen Sie auch abhängige Dienste, Personalverfügbarkeit und Zugänge. Das Notfallkonzept soll die erlaubte Prozessfortsetzung ermöglichen; es muss nicht jeden Komfort sofort wiederherstellen. Welche Funktionen dafür erforderlich sind, wird fachlich begründet festgelegt.

Quellen: [1] [3]

Häufige Fragen zu Notfallbetrieb

Ist Business Continuity dasselbe wie Backup?

Nein. Eine Sicherung unterstützt Datenwiederherstellung. Business Continuity behandelt zusätzlich, wie kritische Prozesse während des Ausfalls angemessen unterstützt werden und kontrolliert zurückkehren. Personen, Informationen, Ersatzaufzeichnungen und erlaubte Tätigkeiten können dafür ebenso entscheidend sein wie technische Wiederherstellung.

Quellen: [1]

Muss bei jedem Ausfall manuell weitergearbeitet werden?

Nein. Ein manueller Ersatz ist eine mögliche Vorkehrung, keine allgemeine Verpflichtung. Wenn notwendige Informationen oder Kontrollen fehlen, kann das geordnete Anhalten bestimmter Tätigkeiten angemessen sein. Die Entscheidung muss zum konkreten Prozessrisiko und zum vorbereiteten Vorgehen passen.

Quellen: [1]

Welche Wiederanlaufzeit fordert Annex 11?

§ 16 nennt keine allgemeine Stundenfrist. Die benötigte Zeit zur Aktivierung alternativer Vorkehrungen richtet sich nach Risiko und unterstütztem Prozess. Begründen Sie deshalb Ihre eigene Anforderung und prüfen Sie, ob verfügbare Mittel und Verantwortlichkeiten sie tatsächlich tragen können.

Quellen: [1]

Reicht eine gedruckte Statusliste als Ersatz?

Nur wenn sie für den vorgesehenen Zweck verlässlich, verfügbar und ausreichend aktuell ist. Prüfen Sie insbesondere zwischenzeitliche Statusänderungen und Bewegungen. Eine lesbare Liste kann eine ungeklärte Materialverwendungsberechtigung nicht allein dadurch ersetzen, dass sie vor dem Ausfall ausgedruckt wurde.

Quellen: [1] [2]

Muss das Ersatzverfahren validiert werden?

Die Eignung der konkreten Vorkehrungen muss angemessen dokumentiert und getestet werden. Nutzen Sie dabei risikobezogene Nachweise für die tatsächlichen manuellen oder technischen Schritte. Ein bestimmtes Dokumentetikett allein beantwortet nicht, ob der Ersatzablauf zuverlässig und nachvollziehbar funktioniert.

Quellen: [1]

Wie vermeiden wir doppelte Nachbuchungen?

Vergeben Sie geeignete Vorgangsbezüge und gleichen Sie Zwischenaufzeichnungen mit bereits verarbeiteten Systemzuständen ab. Im Beispiel dürfen N-01 und N-02 jeweils nur einmal wirken. Die konkrete technische oder organisatorische Umsetzung muss zu Ihrer Anwendung passen und in der Übung geprüft werden.

Quellen: [1] [3]

Ist eine Besprechung als Notfalltest ausreichend?

Sie kann Entscheidungen und Rollen prüfen, aber keine unbeobachtete technische Funktion belegen. Wählen Sie den Übungsumfang nach den zu beantwortenden Fragen. Wo tatsächliche Verfügbarkeit oder Wiederherstellung entscheidend ist, braucht es passende praktische Evidenz statt allein einer protokollierten Diskussion.

Quellen: [1]

Wie werden Korrekturen an Notfallaufzeichnungen behandelt?

Bewahren Sie ursprüngliche Information und Zusammenhang im passenden kontrollierten Verfahren. Bei Papier nennt Kapitel 4 erkennbare Originalinformation, Datum und Unterschrift sowie gegebenenfalls den Grund. Für elektronische Aufzeichnungen sind die einschlägigen Änderungs- und Nachvollziehbarkeitskontrollen zu berücksichtigen.

Quellen: [2] [1]

Wer gibt den Normalbetrieb wieder frei?

Benennen Sie technische und fachliche Zuständigkeiten passend zu Ihrem Verfahren. Die Anwendung kann technisch erreichbar sein, während Datenabgleich oder Bewertung noch fehlen. Die Entscheidung sollte deshalb den relevanten System- und Prozesszustand berücksichtigen und nicht allein am Startsignal des Servers hängen.

Quellen: [1]

Wann müssen wir die Notfallplanung aktualisieren?

Wenn sich relevante Annahmen ändern, etwa Datenwege, Betriebsform, Ersatzmittel oder Zuständigkeiten. Ergänzende regelmäßige Überprüfung kann sinnvoll sein. Eine universelle Testfrequenz steht in § 16 nicht; begründen Sie Pflege und Erprobung anhand von Risiko und tatsächlicher Veränderung.

Quellen: [1]

Gibt Annex 11 eine feste RTO oder RPO vor?

Annex 11 nennt keine universelle Wiederanlaufzeit oder Datenverlustgrenze für alle Systeme. Leiten Sie geeignete Ziele aus Prozess, Kritikalität und Abhängigkeiten ab und prüfen Sie ihre Erreichbarkeit. Dokumentieren Sie, welcher fachliche Endzustand als wiederhergestellte Betriebsfähigkeit gilt.

Quellen: [1]

Warum kann ein schneller Restore das RPO-Ziel trotzdem verfehlen?

Wiederherstellungsdauer und Aktualität des wiederhergestellten Bestands sind unterschiedliche Eigenschaften. Eine schnell gestartete Datenbank kann auf einer alten Sicherung beruhen. Prüfen Sie deshalb den letzten belastbaren Datenstand und notwendige ergänzende Übernahmen gesondert. Technischer Erfolg allein belegt keine ausreichende Datenaktualität.

Quellen & fachlicher Stand

Quellenstand 07.10.2026. Maßgeblich ist hier der Humanarzneimittel-GMP-Bereich. EudraLex führt Annex 11 und Chapter 4 in der Fassung Januar 2011; der konsultierte Entwurf von 2025 wird nicht als geltende Vorgabe verwendet. Die ausgefüllten Beispiele und Tabellen sind eigene Arbeitshilfen, keine behördlichen Mustervorlagen.

  1. EU-GMP Annex 11: Computerised SystemsRevision Januar 2011; Anwendungsdatum 30.06.2011; Abruf 07.10.2026. Fundstellen: §§1–2, 4.3, 7.2, 10–13, 16
  2. EU-GMP Chapter 4: DocumentationRevision Januar 2011; Anwendungsdatum 30.06.2011; Abruf 07.10.2026. Fundstellen: §§4.1, 4.3–4.5, 4.8–4.10
  3. PIC/S PI 041-1: Good Practices for Data Management and IntegrityPI 041-1, 01.07.2021; Abruf 07.10.2026. Fundstellen: §§9.1.5–9.1.6, 9.4; §9.9 Speicherung und Wiederherstellung
  4. Europäische Kommission: EudraLex Volume 4Status am 07.10.2026: Humanarzneimittelabschnitt führt Annex 11 Januar 2011 und Chapter 4 Januar 2011; Abruf 07.10.2026. Fundstellen: Human medicines / Annex 11
  5. Europäische Kommission: Konsultation 2025 zu Chapter 4, Annex 11 und Annex 22Status am 07.10.2026: geschlossen; 07.07.–07.10.2025. Fundstellen: Details; Revision of Annex 11; Links ausdrücklich Draft guidelines. Dient allein der Statusabgrenzung, nicht als geltende Anforderungsquelle.

Zuletzt fachlich geprüft am 14.10.2026.

Daniel Herrmann, Daniel Herrmann Consulting

Daniel Herrmann Consulting

Den konkreten Kontroll- und Nachweisbedarf bearbeiten

Daniel Herrmann Consulting unterstützt Sie dabei, diesen Ablauf auf Ihren Systembestand zu übertragen, Lücken zu bewerten und passende Nachweise vorzubereiten. Umfang und Mitwirkung richten sich nach Ihrem tatsächlichen Prozess.

Ihr Vorhaben besprechenEinblicke in unsere Projektarbeit →